Zwangsvollstreckung in Polen

Die Vollstreckung von deutschen Forderungen in Polen ist ein immer stärker wachsendes Betätigungsfeld. Viele Gläubiger aus Deutschland haben bereits Titel (Urteile,Vollstreckungsbescheide, Beschlüsse, Vergleiche) gegen Polen oder polnische Firmen in Deutschland erstritten und wollen nun die Forderung in Polen im wege der Zwangsvollstreckung durchsetzen. Als Rechtsanwalt in Polen führt Anwalt A. Martin in der Anwaltskanzlei in Stettin zusammen mit seinen 4 polnischen Kollegen (Bürogemeinschaft) Vollstreckungen aus deutschen Titel in Polen durch.

Zu beachten ist auch, dass nun durch die neue EuGVVO die Zwangsvollstreckung in Polen durch ausländische Titel weiter erleichtert wurde.

 

Zwangsvollstreckung von deutschen Forderungen in Polen

Rechtsgrundlagen für die Vollstreckung aus deutschen Titeln in Polen

Schaffung eines Titels – Vollstreckungsklausel

Unterschiede zwischen der Vollstreckung in Polen und in Deutschland

 Zwangsvollstreckung aus polnischen Vollstreckungstitel

Vollstreckung in Polen aus einen ausländischen Vollstreckungstitel

benötigte Unterlagen

Übersetzungen der Unterlagen

Gerichtsvollzieher in Polen

Vollstreckung aus Deutschland betreiben

Kosten der Vollstreckung 

 

Wir helfen Ihnen bei der Durchsetzung von Forderungen in Polen. Seit 2005 – also seit 10 Jahren – ist die Anwaltskanzlei Martin bereits in Polen aktiv. Rechtsanwalt Martin wurde im Jahr 2005 als erster deutscher Rechtsanwalt in die Liste der ausländischen Rechtsanwälte der Anwaltskammer Stettin (Nr. 0001) eingetragen.

 

In der Kanzlei in Stettin führen wir für Sie die Vollstreckung in Polen durch.

Rechtsanwalt Andreas Martin

anwaltskanzlei polen

Kanzlei Stettin – ul. Grodzka 20/6

Kanzlei in Stettin  – ul. Grodzka 20/6 in 70-560 Szczecin

Tel.: DE +49 39754 52884

Tel.: PL +48 91 885 80 14

 

Vollstreckung von “deutschen” Forderungen in Polen

Ebenso wie in Deutschland betreibt man auch in Polen die Zwangsvollstreckung (Vollstreckung heißt auf Polnisch: Egzekucja) gegen den jeweiligen Schuldner, wenn ein Titel gegen diesen vorliegt. Voraussetzung für die Vollstreckung aus deutschen Urteilen ist Polen ist, dass  man einen vollstreckbaren Titel aus Deutschland hat. Allein der Umstand, dass kein polnischer Titel (Urteil, Vergleich, Vollstreckungsbescheid, EU-Zahlungsbefehl) vorliegt, führt nicht dazu, dass eine Vollstreckung im EU-Ausland nicht möglich ist.

zwei unterschiedliche Vollstreckungsverfahren in Polen

In Polen gibt es zwei verschiedene „Verfahren“ der Zwangsvollstreckung mit unterschiedlichen Verfahren und unterschiedlichen Rechtsgrundlagen.

Vollstreckung aus Verwaltungstiteln

Es gibt die Vollstreckung aus Verwaltungstiteln (Ustawa z dnia 17 czerwca 1966 r. o postępowaniu egzekucyjnym w administracji  – Gesetz über das Verfahren über die Verwaltungsvollstreckung vom 17. Juni 1966) . Diese Vollstreckung spielt für den deutschen Mandanten kaum eine Rolle, allenfalls für den deutschen Staat; z.B. bei Vollstreckungen des deutschen Finanzamtes oder des deutschen Hauptzollamtes in Polen (über das polnische Finanzamt).

Zwangsvollstreckung aus zivilrechtlichen Titeln

Weiter gibt es die Zwangsvollstreckung aus zivilrechtlichen Titeln (Kodeks postępowania cywilnego – ustawa z 17 listopada 1964 – Gesetz über das Zivilverfahren vom 17. November 1964 – abgekürzt K.P.C). Diese Seite beschäftigt sich nicht mit der Vollstreckung aus Verwaltungstiteln; dies spielt in der deutschen Praxis meist nur eine Rolle bei Vollstreckungen aus deutschen Verwaltungsbescheiden in Polen; hier werden z.B. seit Jahren auch schon Vollstreckungen in Polen z.B. aus Steuerbescheiden (meist Zigarettenschmuggel / Tabaksteuer) über das polnische Finanzamt betrieben. Für den „Normalbürger“ und deutschen Anwalt, der aus einen deutschen Urteil in Polen vollstrecken möchte, spielt dies aber meist keine Rolle.

Rechtsgrundlagen für die zivilrechtliche Vollstreckung in Polen

Wie bereits ausgeführt, ist die für die hier interessierende zivilrechtliche Zwangsvollstreckung in Polen das Gesetz über das Zivilverfahren vom 17. November 1964 – abgekürzt K.P.C . Dort ist – ähnlich, wie bei uns in der ZPO – geregelt unter welchen Voraussetzungen die Zwangsvollstreckung möglich ist.

Das K.P.C (also die polnische ZPO) enthält diesbezüglich folgende Regelungen (Übersicht):

  • das Verfahren über das Erlangen der Vollstreckungsklauseln (geregelt in den Artikeln 776 bis 796 KPC)
  • das Verfahren über das Erlangen einer ausländischen Vollstreckungsklauseln (geregelt in den Artikeln 1150 bis 1153 KPC)
  • Zulässigkeit/ Voraussetzungen des Zwangsvollstreckungsverfahrens (geregelt in den Art. 796 bis 1088 KPC)

Rechtsgrundlage für die Anerkennung und Vollstreckung von deutschen Titeln in Polen

Die Rechtsgrundlagen für die Vollstreckung von deutschen Titeln in Polen finden sich im Europäischen Recht. Dies sind

bis 2004 (Beitritt Polens zur EU) – das Lugano Abkommen

Für Titel vor dem Beitritt Polens zur EU – also vor 2004 – galt das LUGANO-Abkommen, dass ähnliche Bestimmungen, wie die EuGVVO enthält. Das Lugano Abkommen erlaubte ebenfalls die Anerkennung von deutschen Titeln in Polen, aus denen dann auch die Vollstreckung in Polen betrieben werden konnte. Hier sind noch zusätzliche Bestätigungen vom zuständigen Landgericht in Deutschland zu beantragen und in Polen neben dem Alt-Titel vorzulegen (in Übersetzung).

bis 9.1.2015 – die EuGVVO alter Falls – EG 44/2001

Bis zum 9.1.2015 galt die EuGVVO alter Fassung (EG VO 44/2001). Zuvor galt die EuGVÜ. 

Diese (EuGVVO oder manchmal auch EuGVO genannt) wurde mit der  VERORDNUNG EG  Nr. 44/2001 DES RATES vom 22. Dezember 2000 (alte Fassung) über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen erlassen. Diese galt auch im Verhältnis zu Polen, da Polen im Jahr 2004 der EU beigetreten ist.In der EuGVO fanden sich in den Art. 54 ff. EuGVVO a.F. Vorschriften über das Anerkennungsverfahren  und Vollstreckungsverfahren innerhalb der EU (Ausnahme Dänemark).

ab 10.1.2015 – Anerkennung von deutschen Urteilen in Polen -1215/12 (bis 2014 – EG 44/2001) -EuGVVO

Ab dem 10.1.2015 – genau für Vollstreckungstitel ab dieses Datums – gilt die neue EuGVVO (EG 1215/12). Hierbei sind einige Erleichterungen zu verzeichnen, insbesondere für die Vollstreckung und Anerkennung von Titeln aus der EU.

Die EuGVVO wurde im Jahr 2012 reformiert. Die Änderungen treten zum 10.1.2015 in Kraft. Die neue EuGVVO basiert auf die EG VO 2015/12.

keine Vollstreckbarkeitserklärung von Titeln (nach Anhang der der alten EuGVVO) mehr erforderlich

Danach ist nun nach Art. 39 der neuen EuGVVO keine Vollstreckbarkeitserklärung für eine Zwangsvollstreckung im EU-Ausland mehr nötig. Gläubiger mit deutschen Titeln, die in Polen vollstrecken möchten, müssen nun nicht mehr – wie bisher – eine Vollstreckunbarkeitserklärung beim Landgericht stellen. Früher mußte die Erklärung nach Anhang 5 der EuGVVO beim zuständigen deutschen Landgericht eingeholt werden.

Die Regelung dazu besagt:

Artikel 39Eine in einem Mitgliedstaat ergangene Entscheidung, die in diesem Mitgliedstaat vollstreckbar ist, ist in den anderen Mitgliedstaaten vollstreckbar, ohne dass es einer Vollstreckbarerklärung bedarf.

keine Adresse des Gläubigers oder dessen Vertreters in Polen mehr erforderlich

Bisher scheitere die Zwangsvollstreckung des Gläubigers aus Deutschland schon an dessen fehlenden Adresse in Polen. Nun kann der Gläubiger (theoretisch) aus Deutschland die Vollstreckung betreiben ohne, dass er eine polnische Zustellungsadresse (für das polnische Gericht oder den Gerichtsvollzieher benötigt). In der Theorie ist dies eine Erleichterung, praktisch ist eine Vollstreckung in Polen von Deutschland aus, nicht zu empfehlen, da bei den meisten Gläubigern – unabhängig von der Sprache – grundlegende Kenntnisse des polnischen Vollstreckungsrechts fehlen.

Art. 41(3)   Von der Partei, die die Vollstreckung einer in einem anderen Mitgliedstaat ergangenen Entscheidung beantragt, kann nicht verlangt werden, dass sie im ersuchten Mitgliedstaat über einePostanschrift verfügt. Es kann von ihr auch nicht verlangt werden, dass sie im ersuchten Mitgliedstaat über einen bevollmächtigten Vertreter verfügt, es sei denn, ein solcher Vertreter ist ungeachtet der Staatsangehörigkeit oder des Wohnsitzes der Parteien vorgeschrieben.

Sicherungsmaßnahmen nach ausländischen Recht

Der Gläubiger kann im Vollstreckungsstaat (Polen) alle Sicherungsmaßnahmen treffen, die auch dem polnischem Gläubiger aus einem polnischen Titel offen stehen.  Dies kann in der Praxis tatsächlich eine Erleichterung sein. Zu beachten ist, dass in Polen aber schon mit der Klage in der Regel mehr Sicherungsmaßnahmen als in Deutschland zur Verfügung stehen. Von daher sollte auch dies bei der Entscheidung, ob man in Deutschland oder Polen klagt, beachtet werden.

Auch muss eine Übersetzung nicht mehr bei allen Unterlagen erfolgen.

Schaffung eines Titels in Deutschland oder Polen

Ebenso wie in Deutschland betreibt man auch in Polen die Zwangsvollstreckung aus Titeln (Urteile,Vergleiche, Anerkenntnisurteile, Versäumnisurteile, Vollstreckungsbescheide). Voraussetzung ist zunächst, dass man einen vollstreckbaren Titel (Urteil) hat, um in Polen die Zwangsvollstreckung zu betreiben.

deutscher oder polnischer Titel für die Vollstreckung

Den rechtskräftigen Titel kann man sich natürlich auch in Polen besorgen, sofern man dort einen Gerichtsstand und das Klageverfahren erfolgreich betrieben hat (siehe Artikel „effektiver Forderungseinzug in Polen„).

Titel

Ein Titel ist zum Beispiel ein Urteil, ein Vollstreckungsbescheid oder ein gerichtliche protokollierter Vergleich.

Titel = z.B.

  • Urteil
  • Beschluss (z.B. Kostenfestsetzungsbeschluss)
  • Zahlungsbefehl / Vollstreckungsbescheid
  • gerichtlich protokollierter Vergleich
  • notarielle Vollstreckungsunterwerfung (besonderes Formblatt für die Anerkennung nach der EuGVO = Anhang 6)

Erkenntnisverfahren in DE oder PL ?

Ob das Gerichtsverfahren in Polen günstiger ist oder nicht, muss im Einzelfall entschieden werden. Wichtig ist, dass in Polen der Zivilprozess kein “Schnäppchen” ist und die formalen Anforderungen für den Kläger vor den polnischen Gerichten weitaus höher sind als in Deutschland. Welche Gerichte zuständig ist oder ob sogar in Deutschland und in Polen klagen kann, ist in vielen Fällen in der EuGVVO (EG 4472001) geregelt, die zwischen Deutschland und Polen gilt (siehe oben). Diese Verordnung regelt nicht nur die Vollstreckung und Anerkennung, sondern auch die internationale Zuständigkeit in Zivil- und Handelssachen, ähnlich, wie die deutsche ZPO (die in internationalen Fällen, aber hinter der EuGVO zurücktritt).

In Bezug auf die Vollstreckung in Polen an sich, gibt es aber einige Unterschiede zur Vollstreckung in Deutschland.

 

Vollstreckungsklausel für Polen

Der Titel muss rechtskräftig sein bzw. wenigstens die Vollstreckung darauf muss zugelassen sein (Art. 53 EuGVVO). Der deutsche Titel muss weiter eine Vollstreckungsklausel erhalten, die nur erteilt wird, wenn die vorstehenden Voraussetzungen vorliegen und eine Bescheinigung nach Art. 54 der EuGVVO i.V.m. Anhang 5 der EuGVVO oder eine Bescheinigung als EU-Vollstreckungstitel nach der EuVTVO muss vorhanden sein.

Bestätigung als EU-Vollstreckungstitel

Sofern die Voraussetzungen für eine Bestätigung als Europäischer Vollstreckungstitel vorliegen (siehe EG-VO 805/2004), sollte diese Bestätigung beim deutschen Gericht, welches das Verfahren geführt hat, beantragt werden.  Dazu muss eine unbestrittene Forderung vorliegen (z.B. ein Versäumnisurteil). Der Vorteil dieser Bestätigung ist der, dass eigentlich mit dem Titel + der EU-Bestätigung ohne weitere Anerkennung in Polen die Zwangsvollstreckung betrieben werden kann. In Polen ist dies leider aber nicht so, man muss trotzdem noch eine Vollstreckungsklausel beim zuständigen Gericht am Sitz des Schuldner beantragen. Was aber kein großer Aufwand ist, denn es entfällt hier eine Übersetzung des Urteils (Übersetzungskosten), auch sind die Kosten der Klausel nicht hoch und es entfällt auch die notwendige Anerkennung der Entscheidung durch das polnische Gericht (Zeitfaktor).

Bescheinigung nach Art. 54 EuGVO (alte Rechtslage für Titel vor dem 10.1.2015 !)

Alternativ kann eine Bescheinigung nach Art. 54 / Anhang 5 der EuGVO beantragt werden. Hier muss später eine Übersetzung des Titels/ und Kostenfestsetzungsbeschlusses in Polen erfolgen und auch ist die Anerkennung durch das polnische Gericht erforderlich; das Gericht erteilt dann noch die Vollstreckungsklausel.

Nach der neuen Rechtslage ist nun eine Bescheinigung nach Anhang I der EuGVVO erforderlich.

 in Polen weitere Klausel erforderlich (alte Rechtslage für Titel vor dem 10.1.2015!)

Für die Vollstreckung in Polen wird dann – im Normalfall – auch noch eine Klausel erteilt. Diese Klauselerteilung muss in Polen erfolgen. Zuständig ist das Landgericht am Sitz des Schuldners. Die Klauselerteilung richtet sich nach den Rechtsverordnung 44/2001 (EuGVVO).
 
Nach der neuen Rechtslage ist nun eine Vollstreckungsklausel in Polen nicht mehr erforderlich.

 

Unterschiede zwischen der Vollstreckung in Polen und in Deutschland

Anders als in Deutschland ist in Polen der Gerichtsvollzieher (Komornik) nicht Angestellter des Staates, sondern freier Unternehmer. Davon zu unterscheiden ist der Gerichtsvollzieher, der Forderungen des Staates durchsetzt; dieser ist weiter noch Staatsdiener, wie in Deutschland.

Der normale Gerichtsvollzieher in Polen ist also Unternehmer und von daher auch am Ergebnis der Vollstreckung interessiert, was in Deutschland vielen Gerichtsvollzieher leider egal ist. Der “private- selbstständige” Gerichtsvollzieher aus Polen wird gegen Beteiligung am Ergebnis der Vollstreckung in Polen tätig. Die Beteiligung beträgt im Normalfall rund 10 % von der eingetriebenen Forderung (Ergebnis). Von daher ist der polnische Gerichtsvollzieher zumindest bei höheren Forderungen entsprechend motiviert, was zu begrüßen ist.

Zu beachten ist aber auch, dass die polnischen Schuldner ein gewisses Talent entwickelt haben, zumindest dann, wenn die Vollstreckung eingeleitet wird, plötzlich völlig vermögenslos zu sein. 

 

Zwangsvollstreckung in Polen aus einem polnischer Titel (Urteil/Zahlungsbefehl)

Aus einen polnischen Titel (Urteil/Zahlungsbefehl etc.) kann man in Polen unproblematisch die Zwangsvollstreckung betreiben.

Die Vollstreckung läuft ähnlich, wie in Deutschland ab. Der beauftragt Rechtsanwalt reicht den Antrag beim polnischen Gerichtsvollzieher ein. Die Anwälte in Polen arbeiten in Polen bei Zwangsvollstreckungssachen häufig gegen ein Pauschalhonorar, welches auch abhängig von der Höhe der einzutreibenden Forderung ist.

 

Zwangsvollstreckung in Polen aus einem ausländischer – deutschen – Titel

Für deutsche Titel muss man in Polen vor der Zwangsvollstreckung zunächst eine Vollstreckungsklausel beantragen. Danach kann auch aus einem deutschen Urteil in Polen die Zwangsvollstreckung -nebst der erforderlichen Bescheinigung (siehe unten)- betrieben werden.

Etwas anderes gilt bei einen EU-Titel. Hier ist eine Klausel nicht erforderlich. Allerdings kann man einen solchen Titel nur bei unbestrittenen Forderungen und wenn die Gegenseite kein Verbraucher ist beantragen.

folgende Unterlagen sind für die Zwangsvollstreckung in Polen erforderlich

In Art. 42 EuGVVO n.F. ist nun geregelt welche Unterlagen für die Vollstreckung im Vollstreckungsstaat vorzulegen sind:

Artikel 42(1)   Soll in einem Mitgliedstaat eine in einem anderen Mitgliedstaat ergangene Entscheidung vollstreckt werden, hat der Antragsteller der zuständigen Vollstreckungsbehörde Folgendes vorzulegen:

a) eine Ausfertigung der Entscheidung, die die für ihre Beweiskraft erforderlichen Voraussetzungen erfüllt, und
b) die nach Artikel 53 ausgestellte Bescheinigung, mit der bestätigt wird, dass die Entscheidung vollstreckbar ist, und die einen Auszug aus der Entscheidung sowie gegebenenfalls relevante Angaben zu den erstattungsfähigen Kosten des Verfahrens und der Berechnung der Zinsen enthält.

Bescheinigung nach Art. 53 – Anhang I der neuen EuGVVO

Während früher eine Bescheinigung nach Anhang V der alten EuGVVO eine Voraussetzung der Zwangsvollstreckung im Ausland war, ist dies nun der Anhang I (Art 53) der neuen EuGVVO! Dies gilt für Titel ab dem 10.1.2015.

Auch hier handelt es sich um ein Formblatt, welches das deutsche Gericht (Landgericht) ausfüllt (ähnlich der Bescheinigung über einen EU-Vollstreckungstitel).

Zusammenfassung

Folgende Unterlagen sind nun noch für die Zwangsvollstreckung im Ausland erforderlich:

  • vollstreckbare Titel im Original (z.B. deutsche Urteil und Kostenfestsetzungsbeschluss)
  • Bescheinigung nach Art. 53  EuGVVO = Anhang I im Original (für alle Titel)
  • Übersetzung der Bescheinigung nach Art. 53 EuGVVO (nicht des Urteils)

 

benötigte Unterlagen

Sofern die Vollstreckung aus einem deutschen Titel in Polen betrieben werden soll, müssen folgende Unterlagen vorliegen:

  • deutscher Titel + Bescheinigung nach Art. 53 EuGVO (Anhang I) + KfB + Bescheinigung nach Art. 53 EuGVO (Anhang I)
  • oder
  • deutscher Titel + Bestätigung als EU-Vollstreckungstitel

Diese Unterlagen bekommt man beim zuständigen Gericht in Deutschland (LG). Wichtig ist, dass man für den ursprünglichen Titel und auch für den Kostenfestsetzungsbeschluss die entsprechende Bescheinigung/ Bestätigung haben sollte und dann kann man beiden in Polen die Vollstreckung betreiben. Ein polnischer Anwalt, der sich nicht mit den deutschem Recht auskennt, wird einen KFB aber nicht kennen, denn in Polen gibt es so etwas nicht, denn im Urteil selbst, wird die Kostenerstattung nicht nur dem Grunde nach, sondern auch der Höhe nach geregelt (im Tenor).

 

Übersetzungen erforderlich?

Im Normalfall ist nun nur noch die Bescheinigung nach Anhang 1 der neuen EuGVVO zu übersetzen und nicht mehr die Titel. Aus der Bescheinigung ergeben sich nämliche alle notwendigen Informationen für den polnischen Gerichtsvollzieher. 

Artikel 57 der neuen EuGVVO(3)   Eine Übersetzung aufgrund dieser Verordnung ist von einer Person zu erstellen, die zur Anfertigung von Übersetzungen in einem der Mitgliedstaaten befugt ist.

Die Übersetzung kann auch von einem in Deutschland zugelassenen Dolmetscher erfolgen, was meist aber wenig Sinn macht, da Übersetzungskosten in Polen günstiger sind.

Wir kümmern uns um die entsprechenden Übersetzungen.

Probleme mit deutschen Titeln?

Ein Problem ergibt sich nicht darauf, dass z.B. das Urteil aus Deutschland stammt. Problematisch kann es aber sein, wenn man in Deutschland das Klageverfahren gegen z.B. eine polnische Firma oder eine polnische Privatperson betrieben hat und diese nicht richtig im Urteil bezeichnet ist, da z.B. der Name oder die Adresse falsch geschrieben sind oder die Rechtsform falsch angegeben wurde.

 

Gerichtsvollzieher in Polen

Wie bereits oben ausgeführt wurde, ist in Polen das Gerichtsvollzieherwesen privatisiert. Faktisch heißt dies, dass der polnische Gerichtsvollzieher meist etwas stärker motiviert ist, als sein deutscher Kollege. Dies gilt zumindest dann, wenn es um Forderungen geht, die relativ hoch sind. Im Gegenzug erhält der Gerichtsvollzieher in Polen prozentual einen Teil von der eingetriebenen Forderungen. Dieser prozentuale Anteil an der beigetriebenen Forderung beträgt im Normalfall zwischen 7 und 10 %.

 

Vollstreckung in Polen selbst – aus Deutschland – betreiben?

In Internetforen (meist von und für Rechtsanwaltsfachangestellte) liest man häufig Fragen, wie

“Kann man in Polen selbst die Vollstreckung aus Deutschland durchführen?” oder “Wie führt man in olen die Zwangsvollstreckung selbst durch?”

Jeder ausländische Anwalt  wird beim Lesen solcher Fragen schmunzeln. Die Vollstreckung im Ausland würde bei den meisten Anwälten schon an der Sprache scheitern.

Aber die “Sprachhürde” ist nicht das größte Problem. Auch, wenn nun das Problem mit der polnischen Zustellungsadresse durch die neue EuGVVO entschärft wurde, gilt für die polnische Zwangsvollstreckung immer noch polnisches Recht. Die Anträge müssen klar und sicher auf Polnisch formuliert werden und unterscheiden sich erheblich von den deutschen. Die Gerichtsvollzieher werden später meistens von den Anwälten selbst beauftragt usw..  Die Haftungsfrage ist dabei noch gar nicht angesprochen worden. Eine Vollstreckung in Polen durch einen Anwalt in Deutschland ist von daher schon mehr als problematisch.

 

Kosten der Zwangsvollstreckung in Polen

Die Anwaltsgebühren in Polen im Vollstreckungsverfahren sind in anderer Höhe geregelt als in Deutschland. Das RVG gilt in Polen natürlich nicht. Die Anwälte in Polen nehmen höhere Gebühern für die ZV als  in Deutschland. Dies hat zur Folge, dass sich geringe Forderungen in Polen kaum wirtschaftlich vollstrecken lassen. Ein Titel für eine paar Hundert Euro lässt sich in Polen von daher kaum wirtschaftlich verwerten.

Für weitere Informationen zum Thema Zwangsvollstreckung in Polen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung!

Rechtsanwalt A. Martin – Anwalt Polen (Stettin)

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