Rechtsanwälte in Polen

 

der polnische Anwalt

 

Rechtsanwalt in Polen

 

In Polen gibt es gleich zwei Personengruppen, die wir – nach unseren Verständnis – als Rechtsanwalt bezeichnen würden. Der polnische Rechtsanwalt –Adwokat– und der polnische Rechtsberater –Radca Prawny. Die Unterschiede zwischen beiden Berufsgruppen sind heutzutage relativ gering (dazu mehr hier).

 

Staatsanwalt, Notar, Richter und Gerichtsvollzieher

 

Darüber hinaus gibt es in Polen- an juristischen Berufen – auch noch den (polnischen)Staatsanwalt – Prokurator, den (polnischen) Richter – Sędzia – und den (polnischen) Notar – Notariusz und den Gerichtsvollzieher – Komornik.

 

die polnische Juristenausbildung

 

Die polnische Juristenausbildung läuft – kurz zusammengefasst – wie folgt ab:

 

  • Jurastudium in Polen –> Abschluss mit Magisterarbeit
  • Anmeldung und Test für die Aplikacja (polnisches Referendariat) für den Adwokat (polnischer Anwalt), Radca Prawny (polnischer Rechtsberater/Anwalt), Notariusz (polnischer Notar) oder Prokurator (polnischer Staatsanwalt).
  • Aplikacja (Dauer zwischen 3 und 3,5 Jahren)
  • Abschlusstest (schriftlichen und mündlichen Test)
  • Zulassung / Berufung zum jeweiligen juristischen Beruf in Polen

 

 der Aplikant/ Rechtsreferendar in Polen

Nach dem Studium muss derjenige, der Anwalt in Polen werden möchte, eine Zulassungsprüfungbestehen. Teilweise wird dies auch als Staatsexamen bezeichnet. Richter, Staatsanwälte, Notare haben ihren eigenen Prüfungen. Die Anwälte in Polen und die Rechtsberater in Polen haben im Jahr 2009 die Prüfung zur Zulassung zum Referendariat zusammengelegt. Die Zulassungsprüfung ist recht anspruchsvoll. Die Durchfallquote lag im Raum Stettin bei ungefähr 70 %. Böse Zungen behaupten, dass die Zulassung deshalb so hart ist, um den Zugang zum Anwaltsmarkt in Polen zu erschweren.

Die Anwälte in Polen sind – und dies ist eine Tatsache – durch den starken Zuwachs der Anwaltszahlen beunruhigt. So wurden z.B. in Stettin vor einigen Jahren nur einige neue Anwälte pro Jahr zugelassen. Im Jahr 2009 wurden in Stettin z.B. 80 neue polnische Rechtsberater zugelassen, was dazu geführt hat, dass man in Polen unter den Anwälten nun auch schon Witze über Taxi fahrende Anwälte in Polenmacht. Die Situation für Anwälte in Polen – auch für den Rechtsanwalt in Stettin –  ist aber bei weiten nicht so schlimm, wie z.B. in Deutschland. Die Anwaltsdichte in Polen ist vergleichbar mit Österreich.

Die Aplikation für zukünftige Anwälte in Polen dauert ungefähr 3 Jahre und wird mit einer Abschlussprüfung beendet. Die Prüfung ist ebenfalls schwer, allerdings ist die Durchfallquote bei weitem nicht mehr so hoch, wie bei der 1. Zulassungsprüfung.

Die Liste der Aplikanten in Stettin kann man auf der Internetseite der Anwaltskammer in Stettin sehen.

 

der polnische Anwalt

 

Gleichwertigkeit von Adwokat (polnischer Rechtsanwalt) und Radca Prawny (polnischer Rechtsberater)

 

Sowohl der Rechtsanwalt (Adwokat) als auch der Rechtsberater (Radca Prawny) sind in Deutschland berechtigt – nach Eintragung in die Liste der ausländischen Anwälte bei der jeweiligen deutschen Rechtsanwaltskammer – Rechtsberatung auszuüben und dürfen, wie ein deutscher Anwalt auch – vor Gericht in Deutschland auftreten. Die Berufsbezeichnung “Rechtsanwalt” dürfen diese aber nur nach einen entsprechenden Test bzw. nach den Nachweis der mindestens 3-jährigen Tätigkeit in Deutschland führen, bis dahin ist die in Polen üblicheBerufsbezeichnung – also Adwokat oder Radca Prawny zu führen (siehe EU RAG). Von daher geht auch der deutsche Gesetzgeber von einer Gleichwertigkeit des Rechtsanwalts (Adwokat) und des Rechtsberaters (Radca Prawny) aus.

 

Faktisch ist die Ausbildung ohnehin gleich und ähnlich. In Polen ist seit Jahren die Tendenz zu erkennen, dass Rechtsberater und Anwalt sich immer mehr annähern. Wahrscheinlich wird es in einigen Jahren eine Vereinigung dieser Berufsgruppen geben, was auch Sinn macht.

 

der polnische Rechtsberater – Radca Prawny

Neben den polnischen Rechtsanwalt gibt es auch noch den sog. polnischen Rechtsberater (Radca Prawny). Aus historischen Gründen gibt es diese Unterscheidung. Im Sozialismus wollte man einen Berater für die Betriebe haben, der dort juristisch berät und auch vor Gericht auftreten kann. Von daher waren die Rechtsberater in Polen immer schon stark auf wirtschaftliche Mandante ausgerichet. Diese durften auch keine strafrechtlichen und familienrechtlichen Mandate bearbeiten. Der Rechtsberater konnte als Angestellter einer Firma tätig sein.

Selbst heute ist es noch so, dass viele Rechtsberater in Polen als Mitarbeiter in Firmen tätig sind. Häufig haben diese dann auch noch nebenbei eine eigene Kanzlei.

Es gibt in Polen ungefähr 3 bis 4 mal so viele Rechtsberater,wie Anwälte.

 

Der polnische Anwalt hat eine auf den Anwaltsberuf ausgerichtete Ausbildung hinter sich. Die polnische Anwaltsausbildung ist – meiner Ansicht nach – besser als die deutsche. In Polen gibt es aber zwei Berufsgruppen, die sich Anwalt nennen. Dies sind zum einen die Rechtsanwälte – Adwokat – und dieRechtsberater – Radca Prawny. Beide Berufsgruppen sind mit dem deutschen Rechtsanwalt vergleichbar. Wenn man also vom Anwalt in Polen spricht, dann ist dies nicht ganz richtig, da eben diese beiden Berufsgruppen dem deutschen Anwalt entsprechen.

Die Unterscheidung zwischen den Rechtsberatern in Polen und den Anwälten hat historische Gründe, die heute nur noch schwer nachvollziehbar sind. Tatsächlich bestehen aber immer noch Unterschieden zwischen beiden Berufsgruppen. Beispielhaft sei genannt, dass die Anwälte in Polennicht angestellt werden dürfen, während dies bei den Rechtsberatern möglich ist. Auch gibt es noch Unterschiede im Berufsrecht.

Auf langer Sicht ist aber davon auszugehen, dass eine Angleichung zwischen den beiden Berufsgruppen in Polen geben wird. Ein erster Schritt ist schon gemacht, da der Test für die Zulassung zur Aplikation (Referendariat) in Polen erstmals 2009 nun für beide Berufsgruppen gemeinsam stattfindet.

Vielleicht gibt es dann in einigen Jahren nur noch einen Anwalt in Polen.

 

Anzahl der Anwälte in Polen

 

In Polen gibt es derzeit ungefähr 9.300 Rechtsanwälte. Dies Ende des Jahres wird sich diese Zahl nochmals um 2.500 erhöhen, wenn nämlich die neuen Rechtsanwälte dazu kommen, die vorher noch in der Referendarausbildung waren. Man kann ohnehin nicht genau abschätzen, wie stark sich die Anzahl der Anwälte in Polen erhöhen wird, da nicht nur die hinzukommenden Referendare zu berücksichtigen sind, sondern auch Rechtsberater (Radca Prawny), Richter und Staatsanwälte in den Anwaltsberufwechseln können. Dies geschieht auch schon tatsächlich und führt dazu, dass die Anzahl der Anwälte in Polen drastisch steigt. Als Rechtsanwalt in Polen ist man darüber natürlich nicht begeistert. Die steigende Anwaltsdichte ist ein Dauerbrenner unter den polnischen Anwälten. Man kann sich einfach nicht damit anfreunden, dass es in Polen in einigen Jahren wahrscheinlich eine ähnlich hohe Anwaltsdichte geben wird, wie in Deutschland.

 

Geht man von einer Bevölkerungsdichte von 38.000.000 in Polen aus, dann wäre dies eine noch sehr geringe Anwaltdichte. Dies wäre aber eine unrichtige Darstellung, da natürlich auch die Anzahl derRechtsberater zu berücksichtigen ist. Auch gibt es in Polen kein Rechtsberatungsgesetz, so dass eben sehr viele Firmen Rechtsberatung anbieten. Auch haben die Polen im Normalfall keineRechtsschutzversicherung und müssen von daher den Rechtsstreit selbst finanzieren. Auch gibt es in Polen keine Erstattung von Anwaltskosten im außergerichtlichem Bereich, wie zum Beispiel bei Verkehrsunfällen, beim Zahlungsverzug oder bei berechigten Abmahnungen. Von daher geht eben nicht jeder Pole sofort zum Anwalt, sondern versucht den Fall – meistens mehr schlecht als recht – selbst zu klären. Wenn man in Polen zum Anwalt geht, dann soll meistens sofort das gerichtliche Verfahren betrieben werden.

 

Anzahl der Rechtsberater in Polen

 

Die Anzahl der Rechtsberater in Polen ist höher als die der polnischen Anwälte. Im Jahr 2009 waren ungefähr 25.000 Rechtsberater registriert, von denen ungefähr 20.000 auch tatsächlich rechtsberatend tätig waren.

 

Rechnet man Anwälte und Rechtsberater zusammen kommt man 34.300.

Anzahl der Anwälte im Raum Stettin

Im Raum Stettin gibt es 201 zugelassene Rechtsanwälte. Die Stadt Stettin hat ungefähr 430.000 Einwohner. Die Anwaltsdichte erscheint dem “Stettin-Besucher” viel höher, da dieser vor allen die vielen Kanzleien im Zentrum wahrnimmt. Die Kanzleidichte ist in den Randbezirken weitaus geringer.

 

Im Jahr 2009 habeb nochmals 77 Referendare den Test zur Aufnahme zur Ableistung des Refendariatsbestanden.

 

 

 

Anzahl der Rechtsberater im Raum Stettin

 

In Stettin gibt es derzeit rund 400 Rechtsberater.

 

In Stettin gibt es derzeit 124 Aplikanten der Rechtsberater (Radca Prawny). Hinzu kommen jetzt nochmals 163, die die Zulassungsprüfung zur Aplikation bestanden haben. Es ist aber damit zu rechnen, dass nicht alle tatsächlich das Referendariat machen. Der Rechtsberaterkammer dürfte es gar nicht möglich sein, so viele Referendare auszubilden.

 

 

 

Vergleich der Rechtsanwaltsdichte Deutschland – Polen

 

Wie oben bereits ausgefüht ist ein direkter Vergleich der Anwaltszahlen mit Deutschland und Polen zwar möglich, aber kaum aufschlussreicht. Vergleicht man die reinen Zahlen, so kommt man in Deutschland auf eine Anwaltsdichte von 1 Anwalt zu 512 Einwohner (82.000.000 ./. 160.000) und in Polen auf  1 Anwalt zu 1.100 Einwohner (38.000.000 ./. 34.300).

 

Faktisch ist damit die Anwaltsdichte in Deutschland doppelt so hoch, wie in Polen.

 

Die Zahlen trügen aber. Was dagegen sprich, ist Folgendes:

 

  • geringere Kaufkraft in Polen
  • kein Rechtsberatungsgesetz in Polen
  • kaum Rechtsschutzversicherungen in Polen
  • andere Mentalität (Anwalt als letztes Mittel)

 

Von daher sind die Zahlen so nicht miteinander vergleichbar. Vor allen die Tatsache, dass es erhebliche Mentalitätsunterschiede zwischen Deutschen und Polen gibt, wird häufig übersehen.

 

Vielen Polen gehen erst dann zum Anwalt, wenn sie “mit dem Rücken zur Wand stehen!”. Vorher wird alles Mögliche und Unsinnige selbst unternommen (Nachbarn und Bekannte werden befragt). Man versucht das Problem selbst zu lösen, auch wenn dies objektiv kaum nachvollziehbar ist. Bekommt man das rechtliche Problem nicht gelöst und kann man es auch nicht ignorieren, dann geht man in Polen zum Rechtsanwalt und zwar am letzten Tag des Fristablaufes! Dies ist wohl etwas überspitzt dargestellt, aber soll den Unterschied in der Mentalität mit rechtlichen Problemen umzugehen, verdeutlichen.

 

Zusammenfassung der Zahlen – Anwälte in Polen

 

Anwälte Polen 9.300
Rechtsberater Polen 25.000
Anwälte Stettin  200
Rechtsberater Stettin 400
Tendenz stark steigend!

 

Von daher lässt sich sagen, dass zurzeit die Anwaltsdichte in Polen recht gering ist, allerdings in den nächsten Jahren drastisch steigen wird. Als Anwalt in Polen lebt man derzeit ganz gut. Die Situation für denpolnischen Anwalt wird aber in einigen Jahren ähnlich sein, wie bei seinem deutschen Kollegen.

 

 

 

 

polnischer Anwalt – deutscher Anwalt – Unterschiede

 

Weitere Unterschiede zum deutschen Rechtsanwalt sind:

 

  • keine Anstellung als Anwalt möglich
  • keine Gebührenordnung für den außergerichtlichen Bereich
  • kein Rechtsberatungsgesetz
  • keine Erstattungsfähigkeit von Anwaltskosten im außergerichtlichen Bereich
  • strenges Berufsrecht (keine Werbung erlaubt – nur Information)
  • kein Versorgungswerk
  • Zweigstellenverbot außerhalb des “Bundeslandes”
  • keine Sozietät zusammen mit anderen Berufsgruppen möglich
  • Vorkasse üblich

 

 


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